Für alle, die diesen Blogeintrag einen Tag nach seinem Erscheinen lesen, wird heute, am So. 01.09., erstmals mein Flug nach Madrid am 07.09 zum Check-In freigegeben und theoretische Planung nimmt zum ersten Mal eine konkrete Form an.
Für alle, die ihn heute schon lesen, ist heute mein letzter Samstag hier, morgen mein letzter Sonntag und so weiter und so fort. (Für alle Aufmerksamen: Ihr habt richtig gesehen. Hab den Beitrag allerdings erst einen Tag später fertiggekriegt)
Bei aller Vorfreude auf Peru und auch auf die Reise dorthin, bin ich doch jedes Mal wieder überwältigt, wenn ich mir vor Augen rufe, dass alles, was ich jetzt tue, bereits finalen Charakter hat. Alles was ich jetzt machen könnte, wird in meiner Erinnerung erstmal so stehen bleiben, denn in naher Zukunft werde ich wahrscheinlich nicht die Möglichkeit haben, dies in gleicher Form zu wiederholen. Die Erinnerung an meine letzten Tage hier wird zwangsläufig eine meiner präsentesten Erinnerungen von meiner Zeit jenseits von Peru sein, einfach weil es die letzte ist.
So wichtig ist mir dies wahrscheinlich nur deshalb, weil ich mir selber eine klare Frist gesetzt habe, die jetzt greifbar nah gerückt ist. Hinzu kommt, dass diese Frist aller Wahrscheinlichkeit nach die wichtigste ist, die mir je gesetzt wurde.
So kommt es, dass ich momentan – neben packen natürlich – viel auch damit beschäftigt bin, mir wichtige Menschen noch einmal zu treffen und die Zeit mit ihnen zu genießen. Will ich doch, betrachten wir diesen Abschnitt meines Lebens als die letzten Seiten eines Kapitels, mein Kapitel gut beendet wissen. Oder wie man auf Englisch und Französisch sagt: Ending on a high note / Finir sur une bonne note. Ein deutsches Pendant ist mir leider nicht eingefallen.
Das geschärfte Bewusstsein, insbesondere für die Gegenwart, dass ich momentan an mir wahrnehme, gepaart mit dem Ausblick auf eine noch sehr ungewisse nahe Zukunft gibt mir ein Gefühl, das ich bisher noch nicht wirklich kannte. Im Anblick der Größe des Sprunges zu dem ich momentan ansetze und der Ungewissheit über den Ort, an dem er enden wird, trifft es jedoch Ehrfurcht wahrscheinlich recht gut.
Genauso wie man oft am meisten leistet, wenn man schon lange keine Zeit mehr hat, bin ich dieser Tage produktiver denn je. Oder zumindest scheint es mir so mit Blick auf die letzten Wochen meiner Sommerferien, auch wenn es Ferien ja strenggenommen nicht mehr sind.
Andererseits bin ich auch fast schon dazu gezwungen, da viele Vorbereitungen unumgänglich sind und ich derjenige, der sie treffen muss.
Da mein Kopf einen solch radikalen Bruch noch nie erlebt hat, fällt es mir schwer, mir auszumalen, was all das, was in naher oder ferner Zukunft so auf mich zukommen mag für Reaktionen in mir hervorrufen wird, aber genau, dass ich keinerlei Vorstellung davon habe imponiert mir. Insofern kann man wohl wirklich von einem Sprung ins Blaue sprechen.
Und auch wenn ich in den letzten Monaten äußerst viel Interessantes, Wissenswertes und Faszinierendes über dieses spannende Land erfahren habe, habe ich doch bewusst versucht, mir nicht allzu viel anzulesen, um die Erwartungen möglichst klein und die, aus der plötzlichen Konfrontation mit so viel Neuem resultierende Faszination möglichst groß zu halten.
Auch was ich besonders vermissen werde und wie sehr, kann ich momentan noch kaum einschätzen. Ich bin jedoch unglaublich gespannt, wie es sein wird, in eine in vielerlei Hinsicht gegensätzliche Welt hingeworfen zu werden, herauszufinden was ich mir insgeheim gewünscht und wovon ich mir erhofft hätte, dass es anders kommt; zu sehen welche Sorge und Euphorie begründet und welche unbegründet waren und insofern vor allem auch über mich viel zu lernen.
Darüber, was dann womöglich in Peru auf mich zukommt, will ich an der Stelle allerdings noch nicht allzu viel spekulieren, kommt es doch eh immer anders als man denkt.
Jedoch habe ich mich mithilfe von Google Maps vor einigen Tagen einmal auf den Weg durch die Straßen Piuras begeben, mich in meiner Nachbarschaft umgeschaut und mich gefragt, wie ich mich in dieses, sichtlich andere und weniger wohlhabende Umfeld wohl einfügen würde und wie es sein muss, selbst einmal vollkommen und vor allem sichtbar fremd zu sein.
Doch da all das sich früher oder später eh beantworten wird will ich mir an der Stelle darüber nicht weiter den Kopf zerbrechen 😉.
Während unseres letzten Seminars vor der Ausreise hatten wir, meiner Erinnerung nach, zum ersten Mal Besuch von einem Außenstehenden namens Max. Zwei Tage lang schulte uns Max zu allen erdenklichen Aspekten und Themen kulturbewusster Kommunikation. Einer der Programmpunkte, die mir mit am meisten hängen geblieben ist – wahrscheinlich nicht zuletzt, weil es der letzte Programmpunkt war-, war seine Aufteilung unseres Freiwilligendienstes in Phasen, und dort in erster Linie die erste Phase. Die Ananas-Phase. Die Phase, in der man lernt, dass eine Ananas in durchaus kunstvoller Manier aus dem Boden wächst anstatt von einem Baum, in der man das erste Mal eine Ananas oder eine beliebige andere exotische Frucht probiert, innerlich dahinschmilzt, deutsche Supermärkte verflucht und sich sicher ist, dort nie wieder fremdländisches Obst kaufen zu können.
In dieser Phase, so sagte er, solle man so viel Verschiedenes tun, wie nur möglich, denn alles Erfreuliche sei gleich doppelt freudvoll und alles Enttäuschende nur halb so schlimm.
Das erschien mir sinnvoll.
Worauf ich jedoch hinaus will, ist mein daraus resultierendes Ziel, zu Beginn meiner Zeit in Peru so viel wie nur möglich zu erleben, worüber ihr euch freuen könnt, denn dann gibt es offensichtlich auch viel zu erzählen. Es kommt also in naher Zukunft noch einiges auf euch zu.
Müsste ich meinen aktuellen Zustand so kurz wie möglich beschreiben, würde ich sagen: Aufregung, Anspannung, Euphorie, Nostalgie; ein Zustand in dem es sich aushalten lässt.
Und dabei bin ich mir sehr sicher, dass er noch deutlich besser wird.