Folge 5 – Timelapse

Wieder einmal ist etwas Zeit seit dem Erscheinen meines letzten Blogeintrages vergangen und ihr somit der Gegenwart immer noch um einiges hinterher. Um das Ganze nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen will ich euch eine kurze Zusammenfassung der letzten Monate geben.

Sollte ich mich richtig erinnern, hatten wir bereits unsere zweite Woche hier fast vollständig frei. Grund dafür war eine unternehmensinterne Evaluation, für die man unsere Anwesenheit nicht als notwendig sah, zumal unsere Spanischkenntnisse dies höchstwahrscheinlich eh nicht erlaubt hätten. Auf die Empfehlung einiger Arbeitskollegen und anderer Freunde hin fuhren wir dann für einige Tage nach Los Organos, an den Strand gut drei Stunden entfernt von hier. In einem kleinen Surfshop, den wir über unsere Chefin vermittelt bekommen hatten verbrachten wir für wenig Geld zwei Nächte umgeben von Palmen, Surfbrettern und Hängematten mit Blick auf den Strand.

An unserem ersten Morgen dort nahmen wir dann die einmalige Gelegenheit war, Wale zu beobachten, was, der Jahreszeit geschuldet, glücklicherweise grade möglich war. In Anbetracht der hohen Temperaturen am Strand machten wir uns viel zu dünn angezogen in einem Motorboot auf den Weg raus in den Pazifik. Sehr bald waren wir ordentlich durchnässt und zumindest ich begann zu frieren. Auch die Wale ließen auf sich warten. Wenn sie sich zeigten, war es doch meistens auf der anderen Seite des Bootes und man selber zu langsam sich umzudrehen, bevor sie wieder ins Wasser eintauchten. Je weiter wir jedoch aufs Meer hinausfuhren desto mehr bot uns das Meer. Hatten wir einen oder mehrere Wale entdeckt ließen wir uns treiben und beobachteten still, die meisten durch ihre Kameralinse. Entfernten sich die Wale, nahmen wir die Verfolgung auf.
Nach über einer Stunde hatten wir die Hauptattraktion erreicht. Gemeinsam mit zwei weiteren Schiffen folgten wir einer Finnwalmutter und ihrem Kalb. Die Mutter fast 20 Meter lang, das Kind knapp halb so groß.

Immer noch staunend und mit Ehrfurcht erfüllt drehten wir nach 20 Minuten um und fuhren zurück in Richtung Festland. Wenige hundert Meter vom Strand entfernt hatten wir dann mithilfe eines Unterwassermikrofons die Gelegenheit einigen männlichen Walen bei ihren musikalischen Darbietungen zuzuhören. Nach weiteren 20 Minuten ging es dann endgültig zurück und nach einem kurzen Abstecher ins Walmuseum unseres Tourenanbieters an den Strand, wo es mittlerweile wieder warm geworden war.

Bereits wenige Wochen später hatten wir abermals die Gelegenheit ein verlängertes Wochenende zu nutzen, um an den Strand zu fahren, dieses Mal eine gute halbe Stunde weiter entfernt. Neben einigen Fußballmatches mit einigen Mitarbeitern unseres Hostels und anderen Hostelgästen, ließen Sandro und ich die Gelegenheit einen Surfkurs zu buchen und unsere allerersten Wellen zu reiten. Allgemeinhin ist Peru bekannt für seine guten Bedingungen fürs Surfen, insbesondere seine Linkswellen (Wellen, die mit Blick vom Meer auf den Strand nach links auslaufen). Nur hatten wir uns wohl die falsche Jahreszeit oder den falschen Ort ausgesucht, sodass wir nach unserem Kurs kaum mehr die Möglichkeit hatten weiter zu üben.
Da ich zu geizig war, den Kameramann des Surfshops für seine Bilder zu bezahlen, müssen wir an der  Stelle leider auf Fotos von mir in und auf den Wellen verzichten.


Wer jetzt den Eindruck hat, unser Freiwilligendienst könne bis dahin ja nicht allzu anstrengend gewesen sein, der hat Recht.
Normalerweise käme jetzt ein Satz wie dieser: Das sollte sich jedoch bald darauf ändern. Oder: So blieb es allerdings nicht lange. Und tatsächlich war das Level unserer ersten Wochen hier wohl kaum aufrecht zu erhalten.

Über unsere Arbeit habe ich in einem älteren Beitrag bereits ein wenig berichtet. Doch auch mit erhöhtem Arbeitspensum, ließ sich unser Arbeitsalltag stets gut bewältigen. Auch in diesen Alltag und seine Routinen fanden wir uns mit der Zeit ein.
Wir hatten Besuch von einem der Hauptsponsoren CANATS tempe inditex und von zwei spanischen Ärzten, die in Piura und Umgebung Familien besuchten und uns in verschiedenen Themen schulten. Wir nahmen erstmals an Hausbesuchen der Zona Urbana teil, organisierten Workshops und gingen in Schulen.


Außerhalb der Arbeitszeit lernten wir die Stadt kennen, aßen bei Gaby zuhause Meeresfrüchte und machten Sport. Wir suchten uns auf dem Markt ein Halloweenkostüm zusammen und feierten zusammen Halloween. Wir nahmen an der Beerdigungszeremonie von Gabys Vater teil, die nach dem Tod nur wenige Tage andauerte und zu der auch sämtliche Arbeitskollegen eingeladen waren.

An zwei verschiedenen Wochenenden fuhren wir abermals an den Strand, diesmal mit einigen Freunden. Einmal spielten wir Paintball und probierten uns im Dünensurfen. Einmal verbrachten wir eine Nacht am Strand, saßen bis spät am Lagerfeuer und schliefen in Zelten bis die Hitze es nicht mehr zuließ.


Mit Beginn der Weihnachtszeit setzte bei uns leider keine Weihnachtsstimmung ein. Die Temperaturen waren nicht widererwarten rapide gesunken und kaum einer schien mitbekommen zu haben, dass wir bereits im Dezember angekommen waren. Die einzige bemerkenswerte Veränderung schien darin zu bestehen, dass es im Supermarkt nun Panetón gab, eine Art Kuchen aus einem luftigen Teig und konfierten Früchten. Gaby brachte dazu an Weihnachten den Vergleich zu Dresdner Christstollen an, der meiner Meinung nach nicht zulässig ist. Auch nachdem wir mehrere verschiedene Sorten verschiedener Marken probiert hatten, war keiner von uns wirklich begeistert, was jedoch niemandem davon abhielt uns zu jedmöglicher Gelegenheit weiterhin neue zu schenken, die sich teilweise bis jetzt gehalten haben.

Wir mussten uns unsere Weihnachtsstimmung also ein wenig selber schaffen. Über einen kleinen Weihnachtsbaum, ein paar Kerzen und Christbaumkugeln hinaus brachten wir es jedoch nicht. Auch die Adventssonntage fielen größtenteils ins Wasser, nicht zuletzt weil wir fast jeden Sonntag bereits verplant hatten.

Einen dieser Sonntage verbrachten wir gemeinsam mit dem CANAT-Team im Rahmen eines Betriebsausflugs in Punta Sal, einem schön gelegenen Ort am Strand. Dieser wird von den Jesuiten finanziert und findet einmal jährlich zum gemeinsamen Abschluss des Jahres statt.


Erst wenige Tage vor Heiligabend regte ich an, dass es doch schön wäre sich gegenseitig etwas zu schenken. Auch entschieden wir uns, gegenseitig ein paar nette Worte aneinander zu richten. In der Kombination bescherten uns diese beiden Entscheidungen einen wunderbaren Heiligabend, wenn auch für die vorhergegangenen Tage einiges an Stress.
Nach getaner Bescherung, die schon mittags begann, war jedoch unser Weihnachten noch nicht vorbei. Für den selben Tag hatten wir beschlossen gemeinsam mit dem ehemaligen Freiwilligen Christian – der vor kurzem bei uns in der Wohnung eingezogen war – aufs Land zu fahren und dort an einer typischen Weihnachtszeremonie teilzunehmen. Begleitet von tanzenden in Kostümen, einer Jesusstatue, Trompeten und Schaulustigen zogen wir zur Kirche, wo im Anschluss der Weihnachtsgottesdienst stattfinden sollte, von dem wir leider kaum etwas verstanden.
Als die Sonne längst untergegangen war kamen wir dann bei Gaby an, wo uns ein richtiges Weihnachtsessen serviert wurde. Sogar ein paar deutschen Spezialitäten gab es. Fast fühlte man sich wie zuhause.


Auch meinen Geburtstag will ich an der Stelle kurz erwähnen. Meine drei Freunde und Mitbewohner hatten sich die Mühe gemacht ein ausgefallenes Frühstück vorzubereiten, worauf wir aus Sparsamkeit und Faulheit die letzten Monate verzichtet hatten. Zudem bekam ich eine Matratze geschenkt, die ich sehr nötig hatte. Meine Matratze hatte sich bereits der Schlafposition sämtlicher Vorbesitzer angepasst und schrumpfte während ihrer Nutzung um die Hälfte ihrer Höhe.
Spontan entschieden wir uns dann noch dazu mit Freunden Paintball zu spielen.

Silvester verbrachten wir abermals am Strand in Mancora gemeinsam mit einigen Freunden.
Bereits am nächsten Abend waren wir zurück in Piura.


Für die nächste Woche hatten wir einen Abstecher in den Regenwald geplant, der jedoch aufgrund von Straßenschäden ins Wasser fiel. Bis zum Beginn unserer Ferien verblieben nur noch 2 Wochen, die wir jetzt zu füllen hatten. Nachdem wir am folgenden Montag nicht in Canat aufgetaucht waren, wurde es uns überlassen innerhalb eines Tages eine alternative Tätigkeit für die nächsten Wochen zu finden. Schlussendlich entschieden wir uns dazu, eine Woche in La Tortuga zu verbringen, einem kleinen Fischerdorf an der Pazifikküste. In La Tortuga unterhält Canat eine kleine Ludoteca – eine Art Hort – die jedoch aufgrund der Ferien momentan geschlossen war. Neben unsereren Verpflichtungen, die sich auf zwei Stunden Spielen mit Kindern beschränkten nutzten wir unseren Aufenthalt die Wellen zu genießen, eine Wanderung zu unternehmen und uns mit Fischern zu unterhalten.
Das Leben was wir dort gemeinsam mit den Bewohnern La Tortugas für eine Woche führten ist bescheiden. Das Dorf ist nicht an das Wassernetz Perus angeschlossen, es gibt nur wenige Läden und in denen, die es gibt nicht allzu viel Auswahl, worüber schon im Vorhinein informiert wurden. Umso mehr konnte ich mich dann über einige Kleinigkeiten freuen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. So hatten wir nach zwei Stunden gründlicher Reinigung eine einigermaßen sandfreie Wohnung (was in Küstenorten meist recht kompliziert ist), durchgehend Strom, Internet, kaum Mücken und ein vollwertiges Bett, dessen Matratze deutlich besser war, als wir es aus unserer Wohnung gewohnt waren.
Wir holten aus dem Meer Wasser zum Putzen und wuschen in den Wellen unser dreckiges Geschirr.
Unsere Nachmittage verbrachten wir mit den Kindern des Dorfes, unsere Nächte in der zur Ludoteca gehörenden kleinen Wohnung. Eine Nacht nutzen wir, um am leeren Strand zu schlafen, wo es in der Nacht mit Schlafsack eher zu warm als zu kalt war und kühlten uns bereits früh am Morgen im Meer ab.


Nach fünf Tagen, die sich deutlich kürzer anfühlten, ging es dann zurück nach Piura, wo wir die verbleibende Zeit vor dem Urlaub nutzten, um ein paar letzte Vorbereitungen zu treffen.
Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass man in Peru mit Spontanität meist besser beraten ist als mit gut durchdachten Plänen.

2 Gedanken zu “Folge 5 – Timelapse

  1. Avatar von babystranger150b69d7b7 babystranger150b69d7b7

    Vielen Dank, lieber Timon für Deine toll geschrieben Berichte, die wir mit großem Interesse verfolgen!

    Herzliche Grüße aus Berlin von

    Peter und Kerstin

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  2. Avatar von ambitiousb21d796dad ambitiousb21d796dad

    Hallo Timon! Mit großem Interesse verfolge ich Deine Blocks. Ich wünsche Dir noch viele schöne Erfahrung. Bei mir kommen alte Erinnerung auf, wenn ich die schönen Fotos der Menschen und der Natur sehe.

    Viele Grüße von Martina ( Sopran, Salto Chorale)

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